joomplu:4408Inklusives Cochlear Tanzprojekt „#wutuplikethis“ hörgeschädigter und gut hörender Jugendlicher
Begeisterung, Jubel und ganz viel Applaus für das Tanztheaterstück „#wutuplikethis“, das gut hörende, schwerhörige und gehörlose Jugendliche vor wenigen Tagen im Ballhof Zwei des Staatstheaters Hannover aufführten. Entstanden ist das Stück bei einem inklusiven Cochlear Tanzprojekt, das seit September an der Hartwig-Claußen-Schule (HCS), dem Förderzentrum mit dem Schwerpunkt Hören der Region Hannover, stattfand. Choreographie und künstlerische Leitung verantwortete Profi-Tänzer Ole Driever, der selbst hochgradig hörgeschädigt ist und mit einem Cochlea-Implantat (CI) hört. Initiator des Tanzprojektes ist Cochlear Deutschland, seit mehr als 35 Jahren in Hannover beheimatet. „#wutuplikethis“, in dem sich die jungen Tänzerinnen und Tänzer künstlerisch mit dem Thema Wut auseinandersetzten, ist bereits das dritte derartige Projekt des CI Herstellers in Kooperation mit der Hartwig-Claußen-Schule, dem Jungen Schauspiel des Staatstheaters Hannover und Ole Driever.

Bild:Wütender Tanz begeisterte Publikum – Aufführung des Cochlear Tanztheaterstückes „#wutuplikethis“ (Foto: Cochlear)

Nicht zuletzt ist das Stück ein weiterer Beitrag zur Hörregion Hannover, in der sich Cochlear, die Hartwig-Claußen-Schule und das Staatstheater seit Jahren engagieren.
„Mich macht wütend, wenn Leute Lügen erzählen“, sagt Merle (16), Schülerin an einem Gymnasium in Hannover. Sonja (17) von der Hartwig-Claußen-Schule meint: „Wut ist ein Gefühl, das ich immer wieder erlebe; zum Beispiel, wenn ich Dinge tun muss, die ich nicht tun möchte“. Und Kaspar (22), der Politikwissenschaft und Philosophie studiert, sagt über Wut: „Sie ist ein Gefühl, das ich innerlich abwerte. Andererseits denke ich, dass man es gar nicht abwerten muss. Weil es ja auch in Ordnung ist, wütend zu sein. Es ist eben nur die Frage, wie man mit dieser Wut umgeht.“
Beim inklusiven Tanzprojekt für hörgeschädigte und hörende Jugendliche bot das Thema Wut Anlass für eine künstlerische Auseinandersetzung. Zehn junge Tänzerinnen und Tänzer im Alter von 12 bis 22 Jahren wirkten am Projekt mit. Die Erarbeitung des Tanzstücks erstreckte sich über vier Monate. Es gab mehrtägige Workshops mit dem Profi-Tänzer Ole Driever, der das Stück gemeinsam mit den Jugendlichen entwickelte. Geprobt wurde zudem im Rahmen einer Tanz-AG, die von Inga Ammon, Pädagogin der Hartwig-Claußen-Schule, geleitet wurde.
Thema Wut – inklusive Inszenierung des Jungen Schauspiels bot Anregungen für die kreative Arbeit
Wichtige Anregung für die kreative Arbeit bot das Theaterstück „Die Wut, die uns vereint“ des australischen Dramatikers Finegan Kruckemeyer, das im November am Staatstheater Hannover seine deutsche Erstaufführung erlebte. In der Inszenierung, die die Projektteilnehmer gemeinsam besuchten, spielen taube und hörende Schauspielerinnen und Schauspieler, die in Laut- und Gebärdensprache agieren.
Held des Stückes ist der 16-jährige Connor, den die Welt um ihn her so wütend macht, dass er fast verzweifelt. – „Für die Erarbeitung unseres Tanzstückes haben sich die Teilnehmer Passagen aus dem Theaterstück vorgelesen“, so Ole Driever. „Wir haben uns ausgetauscht, eigene Gedanken und Assoziationen zum Thema Wut entwickelt. So entstanden sechs Szenen – ein geschäftiges Meeting, ein Besuch im Museum, eine Begegnung im Wald – die wir gestalteten. Diese Szenen gaben den Rahmen, in dem die Jugendlichen eigene, kreative Lösungen fanden, um Wut tänzerisch eskalieren zu lassen. Die einzelnen Szenen wurden im Laufe der Arbeit immer weiter ausgestaltet. Wir haben sie Schritt für Schritt zu einem ganzen Tanzstück formiert.“
Von diesem war das Publikum im Ballhof Zwei offensichtlich begeistert: In „#wutuplikethis“ treffen die Akteure immer neu aufeinander; wieder und wieder entzünden sich Konflikte, die dann in wütendem Tanz ausgetragen werden. Eher schauspielerische Passagen wechseln mit Tanzformationen zu kräftigen Beats. Es gibt kurze Dialoge in Laut- und Gebärdensprache, ebenso Bezüge zu aktuellen Themen und Ereignissen.
Kommunikative Barrieren tanzend überwinden – künstlerische Herausforderungen stärken auch Selbstbewusstsein
Inwieweit die jungen Tänzerinnen und Tänzer hören oder auch nicht hören können, spielte in der inklusiven Projektarbeit eine eher untergeordnete Rolle. Judith (21), die nicht hörgeschädigt ist, sagt über die Verständigung mit den hörgeschädigten Teilnehmern: „Es ist nicht so schwierig, wie ich ursprünglich dachte. Diejenigen, die die Musik gut wahrnehmen, geben den anderen mit ihren Bewegungen auch eine Orientierung. Das funktioniert super gut.“ Selina (15), die seit frühester Kindheit mit zwei Cochlea-Implantaten (CI) hört, ergänzt: „Das Projekt mit Ole macht echt Spaß. Ich lerne viele neue Sachen von ihm. Auch mit den anderen zusammen ist es gut. Ich bin froh, hier dabei zu sein.“
„Die kommunikativen Barrieren, die unsere hörgeschädigten Schülerinnen und Schüler haben, treten beim gemeinsamen Tanz in den Hintergrund“, erläutert Lehrerin Inga Ammon, die das Projekt von Seiten der Hartwig-Claußen-Schule betreute, das Stück in einer wöchentlichen Tanz-AG gemeinsam mit den Jugendlichen probte und zudem eigene Theatererfahrung in die Gestaltung einbrachte. „Das Gefühl der Wut kennt jeder. Und der Tanz ist wie eine universelle Sprache, in der man dem anderen die eigenen Empfindungen mitteilen kann. Gerade auch die Schülerinnen und Schüler unserer Schule sammeln beim Projekt ganz wichtige Erfahrungen. Sie trainieren nicht nur Körperwahrnehmung, Rhythmusgefühl oder Konzentration. Die Projektarbeit und die erfolgreiche Aufführung sind auch tolle Erlebnisse. Die Schüler wachsen an den Herausforderungen und stärken ihr Selbstbewusstsein.“
Die Tanzprojekte bieten für derartige Erfahrungen einen sehr guten Rahmen: „Wir arbeiten so inklusiv wie möglich“, so Ole Driever. „Das ist nicht immer leicht; dem einen muss man mehr erklären als dem anderen, auch das tänzerische Niveau der Akteure ist verschieden, zudem gab es diesmal eine recht große Altersspanne. Dennoch haben wir keine Haupt- oder Nebenrollen. Jeder ist gefordert. Wer etwas besser kann, unterstützt den anderen. Für das Stück sind alle gleich wichtig. Jeder steht voll hinter dem, was wir gemeinsam geschaffen haben, und jeder ist dafür bis an die eigenen Grenzen gegangen.“
Attraktiver Beitrag zur Hörregion Hannover – inklusives Projekt verhilft Öffentlichkeit zu neuen Einblicken
Die engagierte gemeinsame Arbeit und die Begeisterung für den Tanz – bei der Aufführung von „#wutuplikethis“ im Ballhof Zwei waren sie für das Publikum erlebbar. Es feierte die jungen Tänzerinnen und Tänzer mit Jubelrufen und reichlich Applaus. Großes Interesse fand auch ein anschließendes Publikumsgespräch, bei dem sich die Jugendlichen gemeinsam mit Ole Driever und Inga Ammon zahlreichen Fragen stellten. Zu den Gästen der Premiere zählten auch Repräsentanten von Cochlear Deutschland, der Hartwig-Claußen-Schule und dem Staatstheater sowie der Hörregion Hannover.
„Es freut uns sehr, dass wir dem Publikum zum Abschluss unseres Tanzprojektes erneut eine derart beeindruckende Aufführung bieten konnten“, so Frederec Lau, Marketing Manager Cochlear Deutschland und Mitglied im Kuratorium der Hörregion Hannover. „Beim Projekt haben die Jugendlichen etwas Großartiges geschaffen. Allen, die zum Gelingen dieses mittlerweile dritten Cochlear Tanzprojektes beigetragen haben, unser herzliches Dankeschön. Für die Beteiligten war ‚#wutuplikethis‘ erneut eine wertvolle künstlerische und soziale Erfahrung. Zugleich konnten wir auch diesmal einen attraktiven Beitrag zur Hörregion Hannover erbringen, der breiten Öffentlichkeit zu neuen Einblicken verhelfen und zum Austausch anregen.“
Martin Schaarschmidt

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